Nordkorea: Der ganz normale Wahnsinn

  

Wer Nordkorea bereisen will, muss akzeptieren, dass das nur als Pauschalreise inklusive Rund-um-die-Uhr-Begleitung möglich ist. Etwa 20'000 Menschen bereisen jedes Jahr Nordkorea, die Hälfte davon stammt aus China. Internationale Reiseagenturen bringen die Touristen ins Land, sobald man jedoch nordkoreanischen Boden betritt, übernimmt der Staat in Gestalt von Reiseführern das Zepter. Diese Reiseführer treten meist zu zweit auf, damit sie die Gäste und sich gegenseitig kontrollieren können. Alle westlichen Touristen wohnen in Pjöngjang im Yanggakdo-Hotel. Spaziergänge auf eigene Faust sind verboten, und Unterhaltungen mit Touristen ist den Nordkoreanern unter Strafe ebenfalls verboten. 
 
An den großen Paradestrassen Pjöngjangs sind Wohnblöcke in verblassten Farben und dunklen Flecken auf dem Mauerwerk zu sehen. In den wenigsten Häusern gibt es funktionierende Heizungen, und regelmässig liegt das Land im Dunkeln. Nordkorea versucht, aus der Not eine Tugend zu machen und nutzt Sonnenenergie. Auf den breiten modernen Strassen gibt es kaum Verkehr, da der gewöhnliche Pjöngjanger zu Fuss geht oder die U-Bahn nimmt. Es gibt zwei Linien mit zum Teil pompösen Stationen, die Züge sind ausrangierte, umlackierte U-Bahnen aus Berlin. 

Ausserhalb der Stadt ist die Armut der Leute gut sichtbar. Bauern pflügen wie im Mittelalter mit Ochsen, und manchmal ziehen gar zwei Menschen den Pflug. Jedes freie Stück Land wird beackert, trotzdem werden viele nicht satt. Im Hotelrestaurant gibt es für die Touristen genügend zu essen, und die Resten werden dann vom hungrigen Hotelpersonal verspeist.

Die Partei entscheidet, wer welchen Beruf ausüben darf. Ein Reiseführer verdient ungefähr 800 Dollar, das Fünfzigfache dessen, was ein einfacher Arbeiter bekommt. Unverheiratete leben bei ihren Eltern und bekommen erst eine Wohnug, wenn sie selber geheiratet haben. Miete und Steuern gibt es in Nordkorea nicht, Essen wird über Lebensmittelmarken abgegeben. Offiziellen Quellen zufolge erhalten alle dieselben Portionen, Geflüchtete berichten jedoch, dass sich die Essensmenge nach der Parteinähe richtet.

Die Existenz der nordkoreanischen Straf- und Vernichtungslager ist ein offenes Geheimnis, auch wenn das Regime sie bis heute bestreitet oder als Erziehungsanstalten für staatsfeindliche Verbrechen verharmlost. Satellitenbilder und Schilderungen geflüchteter Häftlinge sprechen allerdings eine ganz andere Sprache.
 
 
Quellen
 
 
 
 
 
 

Nächste Termine

2. März 2018

Generalversammlung

20 Uhr 

 

 

1. Mai 2018

1. Mai-Feier

ab 16:30 Uhr, Aarau